Ashtanga Yoga & Schwangerschaft

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Erfahrungsbericht: Ashtanga in der Schwangerschaft

 

Als ich ziemlich früh – schon in der vierten Woche – erfahren habe, dass ich schwanger bin, war Tanja eine der ersten, denen ich davon erzählt habe. Sogar noch vor meinen Eltern und liebsten Freunden. Schließlich wollte ich unbedingt weiter zu meiner Mysore-Gruppe gehen, war mir aber nicht sicher, wie sich Schwangerschaft und Ashtanga Yoga eigentlich vertragen.

Googelt man diese Wortkombination, raten viele eher zu sanfteren Yogastilen – vor allem in den ersten zwölf Wochen, bis sich das Baby richtig eingenistet und die Schwangerschaft stabilisiert hat. Aber meine letzten eineinhalb Jahre bei Yogapath waren zu bereichernd, als dass ich zu einer anderen Schule oder einem anderen Kurs hätte wechseln wollen. Ashtanga, Tanja als Lehrerin und meine Dienstagabend-Mityogis hatte mich überzeugt, hier fühlte ich mich wohl und aufgehoben und darauf wollte ich gerade in den aufregenden kommenden Monaten nicht verzichten.

Nach Rücksprache mit Tanjas Lehrerin Kathy vereinbarten wir, dass ich weiterhin am regulären Mysore-Kurs teilnehmen könnte, allerdings mit einigen Modifikationen und Anpassungen. Schwanger musste ich einfach noch achtsamer üben als sonst. Für Schwangere tabu sind beispielsweise Sprünge (wegen der Erschütterungen), starke Drehungen um die Körperachse (belastet den Halteapparat der Gebärmutter), Atemanhalten oder zu schnelles Atmen (behindert die Sauerstoffzufuhr) und eine Aktivierung der geraden Bauchmuskeln wie bei Uddiyana Bandha oder Navasana (um der Gebärmutter beim Wachsen keinen Platz zu nehmen). Weil Bindegewebe, Knorpel und Sehnen in der Schwangerschaft weicher werden, sollten nur 80 Prozent der Dehnungskapazität ausgereizt werden und auch das Halten von Mula Bandha sollten Schwangere nicht übertreiben, da es den Beckenboden zu unnachgiebig machen kann.

Yoga mit dem wachsenden Leben in mir zu praktizieren, habe ich als besonders intensiv erlebt. Am Anfang war es nicht ganz einfach, die körperlichen Veränderungen zu akzeptieren und zu merken, dass ich einige Asanas nicht mehr wie gewohnt üben konnte. Doch das Loslassen und Ohne-Ehrgeiz-Praktizieren war eine gute Übung für all die späteren Veränderungen und eine Rückbesinnung auf den Kern des Yoga.

Außerdem wurde meine Körperwahrnehmung geschärft wie nie. Gerade in den ersten Wochen habe ich nirgends sonst so stark gespürt, dass ich schwanger bin, wie beim Yoga üben: Durch die erhöhte Blutmenge wurde ich schon früh sehr kurzatmig und spürte bei Umkehrhaltungen wie dem herabschauenden Hund meinen Puls im Kopf wummern – das war teilweise unangenehm, wurde mit fortschreitender Schwangerschaft aber besser. Im zweiten und vor allem dritten Trimester war eher der Bauch im Weg, so dass wir vermehrt Hilfsmittel wie Kissen und Decken einsetzten. Vinyasa übte ich in den letzten Wochen zum Beispiel mit den Händen auf zwei Klötzen, so dass ich trotz Kugel problemlos in Urdhva Mukha Svanasana und das Brett kam.

Meine Yogastunden waren ein perfekter Begleiter für die Schwangerschaft und eine tolle Möglichkeit, mich mit Ruhe, Kraft und Ausgeglichenheit auf die Geburt – übrigens am Ende eine schnelle, relativ schmerzfreie Traumgeburt – vorzubereiten. Tanjas Anleitungen und achtsame Unterstützung habe ich dabei als großes Geschenk erlebt: Vor den Hilfestellungen hat sie Kontakt auch zu meiner Tochter aufgenommen und uns beide gleichermaßen begleitet. Dafür danke ich ihr von Herzen!

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„Und ich danke dir, liebe Christine, von Herzen für deinen Bericht und kann nun auch auf eine Schwangerschaft mit Ashtanga Yoga zurück blicken.“